Fokussieren. Fixieren. Selbstheilung: Was Hypnose macht und bewirkt


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15 Jul
15Jul

Eine Gehirn-Bildgebungsstudie, die an der Universität von Iowa, USA, durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass Hypnose tatsächlich Schmerzsignale davon abhält, zu dem Teil des Gehirns zu gelangen, der für die bewusste Wahrnehmung solcher Qualen verantwortlich ist. Dies erklärt, warum Hypnose einem hilft, die Tortur einer Zahnextraktion oder Verbrennungen dritten Grades zu überstehen, oder für Krebspatienten, um zu begreifen, dass die Chemotherapie überhaupt nicht ekelhaft ist.

Das Wort "Hypnose", "therapeutische Hypnose" oder besser noch "Hypnotherapie" löst bei den meisten Menschen ganz sonderbare Reaktionen aus. 

Ein hypnotischer Zustand ist im Wesentlichen ein Zustand, in dem der Verstand Suggestionen annimmt, die vom Therapeuten "artikuliert" werden. 

Die meisten klinischen Hypnosetherapeuten ziehen es vor, Hypnose als "einen Zustand erhöhter Suggestibilität" zu bezeichnen, der durch eine Kombination von bestimmten Elementen erzeugt werden kann - zum Beispiel durch die Fixierung eines Punktes, eines Zeitmessers, rhythmische, sich wiederholende Anweisungen und/oder die Verwendung einer kategorisierten Reihe von Suggestionen - zum Beispiel: "Sie werden sich jetzt schwer in den Augen fühlen." 

Wenn man allmählich in einen tranceähnlichen Zustand eintritt, in dem man sich genau so fühlt oder verhält, wie es der Therapeut vorgibt, wird man das "durchleben", was einem gesagt wird - dass Alkohol ekelhaft gefährlich ist, dass Rauchen "tödlich" ist oder dass man in der Schule, im Sport oder im Beruf gut abschneiden wird.

Auf der wissenschaftlichen Seite klären Studien über die Wirkung des Gehirns auf, warum Hypnose als therapeutisches Mittel in der konventionellen Medizin und auch in der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) immer nützlicher wird. 

Eine Gehirn-Bildgebungsstudie, die an der Universität von Iowa, USA, durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass Hypnose tatsächlich Schmerzsignale daran hindert, zu dem Teil des Gehirns zu gelangen, der für die bewusste Wahrnehmung dieses Leidens verantwortlich ist. 

Dies erklärt, warum Hypnose einem oft hilft, die Tortur einer Zahnextraktion oder Verbrennungen dritten Grades als nicht "übermäßig" quälend zu erleben, oder für Krebspatienten, die Chemotherapie als überhaupt nicht eklig zu empfinden. 

Filmausschnitt aus dem arte-Beitrag: "Die wunderbaren Kräfte der Hypnose / Hypnosetherapie"

Eine typische Hypnosesitzung besteht aus den folgenden Phasen: 

  1. Regression (Zurückgehen), bei dem der Hypnotisierte unter Anleitung des Therapeuten in seine Jugend / in eine Welt früherer Zeiten zurückgeht - dorthin, wo die mögliche Ursache eines Problems zu finden ist;
  2. Amnesie, bei der man sich teilweise nicht an das erinnern kann, was während der Trance geschah; 
  3. Zeitverzerrung, bei der sich ein langer Zeitraum wie eine kurze Zeit anfühlt; und 
  4. Analgesie, bei der man unempfindlich gegenüber normalen schmerzhaften Reizen ist. 

In tiefen hypnotischen Zuständen durchlaufen die Versuchspersonen eine Vielzahl von Mustern wie: Veränderung der Atmung, der Hautfarbe, von hell bis blass, Haltungsschwäche, Flattern der Augenlider im REM-Status, verstärktes wässriges, rotes "Aussehen" um die Augen, häufiges Schlucken von Speichel usw. 

Hypnose ist in erster Linie eine subjektive Erfahrung. 

Aus psychologischer Sicht ermöglicht die Hypnose, den "normalen" Zweifel oder die Skepsis - auch "kritischer Faktor" genannt - zu umgehen. Dies erlaubt dem Individuum, die Aufmerksamkeit auf ein einzelnes oder bestimmtes Element zu richten und offen für Suggestionen zu sein, die vom Therapeuten "geschaffen" werden. 

Viele Hypnosetherapeuten - würden Hypnose oft als "Tagträumen" bezeichnen, aber mit einem bestimmten Zweck, etwas, das man erlebt wie wenn man ein Buch liest, eine Komödie oder einen spannenden Film ansieht oder beim Autofahren beschwingte Musik hört, ohne zu merken, wie man fast auf "Autopilot" nach Hause kommt. 

Gehirnstudien an Menschen, die für hypnotische Suggestionen empfänglich sind, zeigen, dass, wenn sie auf die Suggestionen des Therapeuten 'reagieren', ihr Gehirn tiefgreifende Veränderungen in der Art und Weise zeigt, wie sie Informationen verarbeiten. Hypnotische Suggestionen verändern buchstäblich das, was Menschen sehen, hören, fühlen, denken und glauben, dass es wahr ist, einschließlich Gedächtnisfragen. 

Eine klassische Technik, die diese Idee veranschaulicht, wird posthypnotische Amnesie (PHA) genannt. Sie "modelliert" Gedächtnisstörungen, wie z.B. die in Filmen oft dramatisierte funktionelle Amnesie, die einen plötzlichen Gedächtnisverlust typisiert, der in erster Linie auf ein psychologisches Trauma zurückzuführen ist und nicht auf eine tatsächliche Schädigung des Gehirns oder eine Krankheit. Hypnotherapeuten "triggern" PHA, indem sie der hypnotisierten Person suggerieren, dass sie nach der Hypnose bestimmte Dinge vergessen wird, bis sie eine "Stornierungsnotiz" erhält, wie z.B. "Jetzt können Sie sich an alles erinnern." 

Es ist erwiesen, dass Hypnose dem Individuum mehr Kontrolle über seine Handlungen in Gesundheit und Krankheit gibt.

Die Hypnosetherapie allein kann nicht alle psychosomatischen und / oder funktionellen Störungen behandeln. Sie hat ihre Vorteile und Grenzen - wie jedes andere System der Heilung. 

Dies liegt auch daran, dass die meisten organischen Störungen Medikamente, klinisch orientierte Behandlungen und drastische Lebensstiländerungen mit unerwünschten oder sogar gefährlichen Nebenwirkungen erfordern. Hypnose ist in solchen Fällen als Behandlung besonders nützlich, weil der Angstfaktor, der wahrscheinlichste Störfaktor, reduziert und die Selbstheilung beschleunigt werden kann.

Hypnose hat sich auch als erfolgreiches ergänzendes therapeutisches Mittel bei der Behandlung von Asthma, Reizdarmsyndrom, Arthritis, Neurodermitis (Ekzem), Schuppenflechte, Warzen, Vaginismus usw. erwiesen - ganz zu schweigen von Übergewicht. 

Hypnosetherapie, insbesondere Selbsthypnose, ist für Krebspatienten ein praktikables Hilfsmittel zur Bewältigung einer Fülle von Symptomen, wie z.B. Schmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Depressionen, Hitzewallungen und Schlafstörungen - vorzugsweise unter professioneller Anleitung. 

Auch die Selbsthypnose kann mehr als nur ein nützliches Hilfsmittel sein, eine gezielte Entspannungsübung, um die zahlreichen Ängste und Befürchtungen angesichts der anhaltenden COVID-19-Pandemie zu besiegen.

Hypnotische Suggestionen, in Sitzungen oder nach wiederholtem Anhören, von einem aufgezeichneten Clip, können ebenfalls eine enorme Hilfe sein. 

Sie können z.B. den Schmerzkomplex für die werdende Mutter während der Wehen lindern. Sie können auch helfen, eine schlechte Angewohnheit zu überwinden - Rauchen, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit - oder eine extrem nervöse Person entspannen. 

Darüber hinaus kann Hypnose eingesetzt werden, um Lernfähigkeiten zu verbessern und Sportler zur Überwindung einer mentalen Blockade zu "katapultieren".

Der Grund dafür ist einfach. Entspannung, wie sie die Hypnose erreicht, ist alles. Sie bringt das Beste in uns zum Vorschein, so wie es die Natur uns mitgegeben hat - um unser Selbstvertrauen zu stärken und zu erweitern oder uns auf die nächste Stufe zu bringen.