Nachweis von Pestiziden im Urin von Schweizern


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20 May
20May

Schweizer haben Pestizide im Urin

In einer Untersuchung fanden sich bei allen 30 Teilnehmern Pestizidrückstände im Urin – auch von verbotenen und gefährlichen Pestiziden. Experten erklären, was das für unsere Gesundheit bedeutet.

Eine Untersuchung des Magazins «Gesundheitstipp» bei 30 Schweizern hat ergeben: Alle Getesteten hatten mindestens fünf und bis zu 17 verschiedene Pestizidrückstände im Urin.

Glyphosat, Chlorpyrifos und Naphtalin: Die Liste der möglicherweise krebserregenden oder bald verbotenen Stoffe, die bei einer Untersuchung des Magazins Gesundheitstipp in den Körpern von 30 Personen aus der ganzen Schweiz gefunden worden sind, ist lang. Die Proben wurden auf 60 Pestizide untersucht. Bei jedem Teilnehmer fanden sich Rückstände von mindestens fünf Pflanzenschutzmitteln – bei einer Frau (31) aus Baden AG waren es nicht weniger als 17. Bei einem 3-jährigen Buben aus Zürich waren es 11 Pestizide.

Nachgewiesen wurden beispielsweise in allen Proben Rückstände von Chlorpyrifos, das in der Landwirtschaft etwa bei Zitrusfrüchten eingesetzt wird. Das Insektizid ist in der Schweiz ab Juli verboten, in der EU seit Februar. Es steht im Verdacht, das Gehirn von Neugeborenen zu schädigen. Auch das umstrittene Glyphosat, ein Unkrautvertilger, liess sich in fast jeder dritten Probe nachweisen. Rückstände finden sich laut dem Test nicht nur im Urin von Schweizern, die sich konventionell ernähren. So ernährten sich 13 der Probanden eine Woche vor dem Test vorwiegend Bio.

«Das Problem ist der Cocktail-Effekt»

Für Biologe Caspar Bijleveld ist das Ergebnis erschreckend: «Das Resultat zeigt, dass man sich den giftigen Stoffen nicht entziehen kann – selbst wenn man sich biologisch ernährt. Die Industrie bringt schnell neue Pflanzenschutzmittel auf den Markt. 20 Jahre später merkt man, dass sie doch gefährlich sind und nimmt sie vom Markt. Das läuft so seit den 70er-Jahren.»

So habe man auch bei den Neonikotinoiden (eine Gruppe von Insektiziden) gesagt, es gehe keine Gefahr für Säugetiere aus. Nachdem das grosse Insektensterben eingesetzt habe, seien einige Produkte verboten worden. Für die Gesundheit der Probanden bestehe aufgrund der Rückstände wohl keine direkte Gefahr. Aber: «Das Problem ist der Cocktail-Effekt: Niemand weiss, ob sich die Stoffe im Zusammenspiel im Körper verstärken. Wir haben keine Ahnung, was die langfristigen Folgen sind oder ob diese Cocktails krebserregend sind, weil sie nie getestet wurden.»

«Konstant einer zu hohen Gesamtmenge an Chemikalien ausgesetzt»

Auch Pestizidforscherin Joëlle Rüegg, Professorin an der schwedischen Universität Uppsala, sagt in der aktuellen Ausgabe des «K-Tipp»: «Die Menschen sind konstant einer zu hohen Gesamtmenge an Chemikalien ausgesetzt.» Das sei gefährlich, da viele dieser Substanzen für den Körper schädlich seien.

Die festgesetzten Höchstwerte würden den wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterherhinken, sagte Rüegg bereits 2018 gegenüber SRF

In den Tierversuchen, welche zur Festlegung der Höchstwerte gemacht würden, werde etwa das Risiko für ungeborene Kinder oder geschwächte Organismen nicht berücksichtigt. Ausserdem gebe es viele Chemikalien und Pestizide, welche das Hormonsystem beeinflussten: «Wenn diese zusammenwirken, ist der Effekt noch viel grösser.»

Auch verbotene Stoffe gefunden

Nur die Spitze des Eisbergs

In den Urinproben fanden sich teils auch in der Schweiz bereits verbotene Stoffe, etwa Naphthalin, Carbaryl oder Cyhalothrin. Thomas Göen, Professor und Chemiker am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Erlangen, erstaunt das nicht: «Wir führen viele Lebensmittel aus Staaten ein, in denen Bauern solche Substanzen immer noch anwenden dürfen», sagt er. Göen hat die Proben für den «Gesundheitstipp» untersucht. Dazu kommen Pestizide, die zwar zugelassen sind, aber laut EU oder Greenpeace im Verdacht stehen, Krebs, genetische Defekte oder bei längerer Belastung Organschäden zu verursachen.

Die Ergebnisse der Gesundheitstipp-Stichprobe zeigen ausserdem wohl nur die Spitze des Eisbergs. Der Urin wurde auf rund 60 Pestizide untersucht – in der EU-Datenbank gibt es aber über 1400 solche Gifte. Göen geht daher davon aus, dass die 30 Personen weitere Substanzen im Urin hatten: «Die meisten Pestizide lassen sich darin noch nicht nachweisen.»

Der Test

30 Schweizer untersucht

Die Zeitschrift «Gesundheitstipp» hat in einer Stichprobe den Morgen-Urin von 30 Schweizer Personen zwischen 3 und 74 Jahren testen lassen. In allen Proben konnte man Pestizide nachweisen. Die Konzentrationen lagen teils klar über der durchschnittlichen Belastung in der Bevölkerung. Naphthalin etwa, das als sehr krebserregend gilt, wurde bei allen Probanden nachgewiesen.

Die Rolle des Wassers

Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Wasser als Hauptnahrungsmittel, da der Mensch zu etwa 70% aus Wasser besteht. Pestizide und Gifte gelangen direkt ins Grundwasser und so auch in die Haushalte.

Gesundes Trinkwasser gibt es gratis hier bei der Trinkwasser Tankstelle in Frauenfeld